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Chronik der Blaskapelle Thanhausen
(Diese kurze Darstellung der Geschichte der Blaskapelle Thanhausen beruht auf den Festschriften von Adolf Lankl, welche für das 40, 50 und 60-jährige Gründungsfest erstellt wurden.)
Die Gründung der Blaskapelle Thanhausen datiert im Jahre 1937. Doch ist nachweislich belegt, dass es in der Ortschaft schon seit über 100 Jahren immer wieder kleinere Blaskapellen gegeben hat, die sich jedoch nicht als Verein konstituiert hatten, und von denen es leider nur wenig dokumentierte Belege gibt.
Johann Weigl, geb. am 30.August 1883 in Thanhausen schrieb in seinen Lebensaufzeichnungen: "Mein Großvater mütterlicherseits, Anton Weigl, war Weber und Musiker. Er dirigierte die damalige Thanhauser Musikkapelle, die meines Wissens in der nördlichen Oberpfalz einen guten Ruf hatte. Seine beiden Söhne, Johann [...] und Josef Weigl [...] waren ebenfalls Musiker."
Später leitete Josef Franz (der alte Hans-Giang) mit seinen Söhnen Hans und Christian eine kleine Bläsergruppe, der sich auch Donatus Götz (Natl) anschloss. Er übernahm nach 1918 die Leitung der kleinen Schar.
Blasmusik um 1920: Ludwig Fischer, Josef Bäuml, Norbert Sertl, Alois Lankl, Donatus Götz (sitzend)
Der 1906 geborene Josef Fenzl berichtete aus lebendiger Erinnerung von einer Hausmusikergruppe, die sich nach dem 1.Weltkrieg formierte. Zu dieser Gruppe gehörten: Ludwig Fischer (Platzer), Alois Lankl (Kramer), Christian Hecht (Zimmermann), Josef Fenzl (Kinztler), Richard Franz (Kutscher), Engelbert Franz (Kutscher), Eduard Sertl (Freller), Norbert Sertl (Freller), Josef Birkner (Weber), Emmeran Jäger (Schreiner), Ludwig Jäger (Schreiner). In den dreißiger Jahren gruppierten sich die Hausmsusiker neu. Einige gaben das gemeinsame Musizieren auf, neue kamen hinzu. Zu dieser Gemeinschaft stieß dann ein Tirschenreuther, der sich bald als Mittelpunkt des Thanhauser Musizieren abzeichnete: Georg Edtmüller.
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Georg Edtmüller (1902-1997)
Schon wenige Tage nach dem Umzug nach
Thanhausen gründete Georg Edtmüller einen Spielmannszug mit fünfzehn Mann.
Aus diesem musikalischen Umfeld heraus kam es dann schließlich zur
Gründung der Blaskapelle Thanhausen. Angesichts der damaligen
Wirtschaftslage war es für alle Musiker ein erhebliches Opfer die
entsprechenden Instrumente zu erstehen. Für den Kauf der Tuba erklärte
sich sogar die Feuerwehr bereit 150 RM vorzuschießen; das Geld sollte
durch spielen bei Beerdigungen abgegolten werden. Im September 1937 nahm
man die wöchentlichen Proben auf. Die Gründungsmitglieder zählten mit
Edtmüller zwölf Mann.
![]() unten: August Franz (Belln), Erhard Franz (Belln), Georg Edtmüller, Wendelin Schicker (Beimlkarl), Franz Franz (Belln) August Sladky war beim Gründungsfoto verhindert. Der erste öffettliche
Auftritt ergab sich schon im Dezember des selben Jahres bei der Beerdigung
des Bartmüllers Leonhard Härtl. Der Trauermarsch vom Sterbehaus bis nach
Hohenthan war gut zwei Kilometer (!) lang. Nach der Beisetzung kehrte man
beim "Reuschl" ein und schuf damit eine langanhaltende Tradition für die
"Nachfeier einer Leich".
Der Krieg legte die Aktivitäten der
Kapelle weitgehend lahm, während neu hinzugekommene Musikanten eifrig
übten. (Die langjährigen Musiker Erhard Birkner und Willi Hecht spielten
bereits im Gründungsjahr 1937 mit, waren aber keine Gründungsmitglieder).
Die Leitung der Nachwuchs- und auswärtigen Aushilfsmusiker übernahm nach
der Einberufung Edtmüllers der damalige Oberrealschüler und spätere
1.Bürgermeister der Stadt Bärnau, Josef Stich. Stich, Willi Sladky, Josef
Sertl (Freller), Willi Hecht, Georg Ott, Bernhard Schwamberger (Howerer)
und Josef Franz (Hans-Giang), Schmidkonz (Schloterer, Heimhof), Hecht
(Liebenstein) und Wittmann (Flossenbürg) sowie zufällig auf Heimaturlaub
sich befindende Musikanten wirkten noch als Blaskapelle Thanhausen.
Allmählich verstummten aber alle Instrumente im Dorf, da nun alle im Feld
standen. Von den Gründungsmitgliedern kamen sechs nicht mehr aus dem Krieg
zurück.
Nach der Heimkehr Edtmüllers im Juni 1945
galt seine ganze Tatkraft der Neugründung der Blaskapelle. Dabei kam ihm
zugute, dass sich viele musikalische "Neubürger" in Thanhausen
niederließen. Außerdem widmete er sich der Ausbildung des Nachwuchses an
den verschiedenen Instrumenten.
Mit zwölf Mann nahm man 1949 noch im guten
Sonntagsanzug am Feuerwehrfest in Großkonreuth teil, zur
Sportplatzeinweihung des VfB Thanhausen im selben Jahr trug man zu dunkler
Hose und weißem Hemd mit Krawatte eine Schirmmütze.
![]() v.l.n.r.: Alois Ritter, Franz Beer, Georg Edtmüller,
Erhard Birkner, Richard Schwägerl, Alois Beer, Willi Schicker, Horst
Edtmüller, Max Hecht, Erich Hecht, Hans Hecht, Alois Sladky
1950 feierte die Freiwillige Feuerwehr
Thanhausen ihr 75-jähriges Bestehen. In Ermangelung eines Festzeltes
spielte man nachmittags im Wechsel mit der Blaskapelle Großkonreuth im
Freller-Garten, abends wurde das Fest im Kispert-Saal
fortgesetzt.
Bei den Proben stellten sich allmählich
Nachwirkungen einer Kriegsverletzung bei Edtmüller heraus. Seine
Trompetensoli endeten oft mit starken Nasenbluten, so dass ihm ein Arzt
riet, das Trompetenspiel aufzugeben. So übergab er mit nur noch
gelegentlicher Stabführung an seinen Nachfolger Alois Ritter.Im Jahre 1955 übernahm Alois Ritter
endgültig die Leitung der Blaskapelle Thanhausen.
Alois RitterUnter seiner Führung kamen viele neue
Aktivitäten und Engagements hinzu, so die Umrahmung der Waldweihnacht am
Wurzelbrunnen. Seit 1957 spielt die Kapelle bei den Wald- und Gartenfesten
des Heimatverein Hohenthan und 1958 wurde eine Tradionsveranstaltung ins
Leben gerufen, die bis in die heutigen Tage reicht. Die Blaskapelle
veranstaltete einen Faschingszug mit abendlichem Tanz, der seitdem am
Rosenmontag als "Närrische Musikprobe mit Einlagen"
abgehalten wird.
![]() Fasching 1952 und 1958
Mit dem Erlös des
1958er Faschings erlaubte man sich drei Jahre später eine Fahrt zum
Oktoberfest. Weitere Ausflugsfahrten folgte, schließlich wurden daraus
fünftägige Urlaubsfahrten, die auch vielen
Nichtmusikern in fröhlicher Erinnerung geblieben sind.
Um die selbe Zeit formierte sich aus den
Reihen der Blaskapelle die Tanzkapelle "Edelweiß", von 1957-1962
"Conny`s".
v.l.n.r.: Alois Beer, Franz Beer, Alois Ritter, Erich
Hecht, Adolf Kraus
An festen Spielerein gab es in jener Zeit
auch die jährlichen Schmiedbühlfeste der Feuerwehr sowie die Umrahmung der
Fronleichnamsprozession. An größeren Festen wurden u.a. 1965 das
90-jährige Gründungsfest der Feuerwehr Thanhausen und 1967 das Fest der
Soldaten- und Reservistenkammeradschaft Hohenthan umrahmt. Das äußere
Erscheinungsbild der Blaskapelle erinnerte damals eher an eine Miltär-
bzw. Polizeikapelle.
Festkapelle zum Feuerwehrfest Thanhausen 1965
In den 70er Jahren erweiterte sich der
Radius der Auftrittsorte kontinuierlich. Man spielte u.a. in Weiden,
Falkenberg, Waldthurn, Bärnau, Burglengenfeld und natürlich auch in der
näheren Umgebung. Am 23. Mai 1971 trat die Blaskapelle dem Nordbayerischen
Musikbundes (NBMB) bei. Zum 100-jährigen Feuerwehrfest in Thanhausen
zeigen sich in den Reihen der Blaskapelle viele neue, junge Gesichter, was
auf die hervorragende Nachwuchsarbeit durch den damaligen 1.Dirigenten
Alois Ritter hinweist.
Festkapelle 1977
1980 wollte man das eigene 40-jährige
Gründungsfest (etwas verspätet) im Rahmen eine Kreismusikfestes abhalten.
Als Voraussetzung für die Genehmigung durch den NBMB musste erst ein
Verein mit Satzung gegündet werden. Dies geschah am 20. März 1979, zum
1.Vorstand wurde Alois Ritter gewählt. Das 40-jährige
Gründungsfest fand schließlich vom 13.-16.
Juni 1980 in Thanhausen statt.
Nach mehr als 27 Jahren an der Spitze der
Blaskapelle Thanhausen als 1.Dirigent und 1.Vorstand sowie der Ausbildung
von ca. 50 Nachwuchsmusikern, gab Alois Ritter am 18.Februar 1983 seinen
Rücktritt bekannt. Für seine Verdienste um die Blaskapelle Thanhausen
wurde er zum Ehrendirigenten ernannt. Aus den Neuwahlen ging Erich Seitz
als 1.Vorstand und Dirigent hervor.
Erich SeitzWie ein Blick auf die Musiker (seit 1980
in der neuen stiftländer Tracht) im Jahre 1983 zeigt, veringerte sich die
Zahl der Aktiven im Vergleich zu 1980 doch beträchtlich.
Immer mehr erhob sich die Nachwuchssorge.
So wurde in Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule Tirschenreuth ein
Modellprojekt ins Leben gerufen, wie durch das Zusammenwirken von Musikschule und
Musikkapelle junge Menschen an die Blasmusik
herangeführt werden können. Die Blaskapelle Thanhausen bezuschusst jeden
Schüler und stellt die Instrumente am Beginn der Ausbildung zur
Verfügung.
Um diese neuen finanzielle Belastungen zu
bewältigen wurde am 24.Februar 1985 der Verein "Blaskapelle Thanhausen
e.V." gegründet. Passive Mitglieder konnten, wie andernorts schon lange
üblich, dem Verein beitreten und durch durch ihre Mitgliedschaft die Ziele
und Anliegen des Vereins unterstützen. Aus den Wahlen ging Erich Hecht als
1.Vorstand hervor.
Erich Hecht1987 wurde das 50-jährige
Gründungsfest im Rahmen eines
Kreismusikfestes gefeiert. Dieses wurde wie schon das Fest von 1980 ein
großer Erfolg. Bei den nächsten Vorstandswahlen im Januar 1988 gab es
keine Veränderungen, allerdings legte im August des selben Jahres
1.Dirigent Erich Seitz aus gesundheitlichen Gründen den Taktstock nieder.
Sein Nachfolger wurde Peter Beer. Dieser leitet die Kapelle bis zum
heutigen Tage.
Peter BeerSeit Mitte der 80er Jahre veranstaltet die
Blaskapelle ihr jährliches Gartenfest, das zuerst im Freller-Stadl
ausgerichtet wurde und seit einigen Jahren jeweils an Fronleichnam am
Festgelände am Sportplatz in Thanhausen stattfindet.
Im August 1989 war der "Bayerische
Rundfunk" mit seiner Sendung "Grüße aus der Oberpfalz" in Plößberg zu
Gast. Bei dieser Gelegenheit gab die Blaskapelle Thanhausen drei
Musikstücke zum besten.
1993 beteiligte man sich an den
Feierlichkeiten zur 650-Jahrfeier der Stadt Bärnau mit eigens entworfenen
"historischen Gewändern". Im selben Jahr begann man die schon arg
strapazierte stiftländer Tracht sukkzessive gegen neue Lederhosen
auszutauschen.
Nach dem
60-jährigen Gründungsfest 1997
kandidierte 1.Vorstand Erich Hecht nicht mehr bei den nächsten Wahlen für
seinen Posten. Nachfolger wurde der langjährige Kassier Georg Franz, der
nach zweijähriger Amtszeit aus gesundheitlichen Gründen sein Amt
niederlegte, das jedoch innerhalb der Familie blieb. Nachfolger wurde sein
Sohn Alexander Franz.
Georg Franz Alexander
Franz
Im Jahre 2002 wurde im Rahmen des
jährlichen Gartenfestes das 65-jährige Gründungsfest im kleinen Kreise
gefeiert, und im Herbst des selben Jahres wurde der
Probenraum der Blaskapelle in der
Mehrzweckhalle Thanhausen renoviert und neu eingerichtet.
Im Jahre 2004 ging die Blaskapelle
Thanhausen auf ihre erste "Auslandstournee" nach Dänemark und im August wurde zum
ersten Mal ein Serenadenabend mit befreundeten Blaskapellen in Thanhausen
abgehalten.
Das 70-jährige Gründungsfest im Jahre 2007 wurde im
Rahmen eines Jubiläumsjahres begangen. Die Feierlichkeiten wurden Anfang
Januar mit dem Neujahrskonzert eröffnet. Das eigentliche Jubiläum wurde an
Pfingsten mit einem Kreismusikfest gefeiert. Im September waren auch die
Freunde der Partnerkapelle aus Gissigheim zu Gast und als Abschluss
gastierte das Symphonische Blasorchester der Bayerischen Polizei im
November zu einem Benefizkonzert in der Pfarrkirche in Hohenthan.
Im Herbst des Jahres 2008 wurden die Aufnahmen für die erste CD der Blaskapelle Thanhausen getätigt. "Böhmischer Traum" - so der Titel des Albums - wurde zum Weihnachtsfest dann veröffentlicht. Und auch 2011 wurde seitens der Blaskapelle Thanhausen Neuland betreten, als erstmals ein "Open Air der Blasmusik" veranstaltet wurde. Das Jahr 2012 schließlich steht ganz im Zeichen des 75-jährigen Gründungsfestes im Rahmen eines Kreismusikfestes.
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